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Donnerstag, 17. Januar 2008

die säulen der macht

kurz vor halb zwölf und noch immer ist die stunde morgen nicht aus den tiefen meines gehirns gehoben.
morgen darf ich wieder "kinder quälen", wie es eine teilnehmerin meiner kegelgruppe liebevoll ausdrückt.
absolutismus in einer achten klasse. schwierige klasse. ganz besonders schwierig am freitag in der 5. stunde. gestern haben wir mit den "säulen der macht" angefangen. hat sehr gut geklappt. die meisten der lieben kleinen haben mit bravour die von mir gestellte aufgabe gelöst. morgen schreiben wir auf jeden fall schon mal einen definitions-vokabeltest. der ist angekündigt und dürfte ihnen nicht allzu schwer fallen. aber dann... vage ideen wabern in meinem kopf von links nach rechts... leider nichts konkretes.
texte lesen geht nicht. nicht am freitag, nicht um die zeit. die müssen selber was machen. vielleicht ein text-puzzle.
das ist mein großes problem: ich liebe unterricht planen. es macht mir spaß. am liebsten überlege ich mir neue aufgaben, die nicht in irgendwelchen büchern stehen. die zündenden ideen kommen mir meist in letzter sekunde.
ich sehe mich morgen, kurz bevor ich das haus verlasse, schon wieder wie ein aufgescheuchtes huhn durch die wohnung hetzen und materialien zusammensammeln.
die stunde letzten freitag ist grandios nach hinten losgegangen - das gilt es morgen zu verhindern.

das alles hat uns gott geschenkt...

ich bin bekehrt. nie, nie, niemals wieder werde ich freiwillig, auch nicht für geld, eine veranstaltung besuchen, die nur im entferntesten mit volksmusik zu tun hat.
ich mag meinen job ja wirklich gerne. ich mag alle meine jobs. ich liebe meine behinderten-kegelgruppe. und ich bin gerne in der tagesförderstätte zum sonntags-café. ich fahre auch gerne mit auf ausflüge, selbst wenn die in der regel ziemlich stressig sind.
aber gestern war es unerträglich. "traummelodien der volksmusik" - da ahnt man nichts gutes und sämtliche vorahnungen werden auch erfüllt. die kritikpunkte:
1) das publikum ... bringt einen hauch des todes mit sich. "ich seh den tod lächeln..." schwirrte mir spontan im kopf umher. jede menge (meist doch noch sehr rüstige) rentner in deren augen behinderte keine daseinsberechtigung haben. werde ich auch mal so?
2) die moderatoren ... namen werden nicht genannt. es bleibt festzuhalten, dass ich es höchsterstaunlich finde, wie sehr sich die generation meiner großmütter über die jugend von heute aufregt, wenn sie SOWAS tatsächlich gut findet. die unglaublich gestellten, bemüht witzigen moderationen waren derart vulgär, dass es mir im dunkeln der messehalle die schamesröte ins gesicht trieb. ich hoffe von ganzem herzen, dass die lauten lacher aus dem publikum ausnahmslos dem anerzogenen anstand der damen und herren zuzuschreiben waren.
3) die musik ... nun denn, es kann nicht jeder volksmusik mögen, es mag ja auch nicht jeder techno, metal oder hiphop. ich mag keine volksmusik. wirklich nicht. das weiß ich seit gestern ganz genau. was mich dabei wirklich geärgert hat, war weniger die musik an sich, als mehr die texte. viel zu "heile welt". (siehe titel.) nachdem ich den kompletten tag vor der show in der schule verbracht hatte, fragte ich mich ernsthaft, was gott denn meinen schülern so geschenkt hat. alkoholkranke eltern? eine 1a außenseiter-rolle in der klasse? tägliche prügel nach schulschluss? (weitere beispiele können auf nachfrage in langen, langen listen nachgereicht werden.) das gesülze der interpreten beschwor in mir jedenfalls eine leichte aggressivität und eine starke wut herauf.
... kein wunder, dass ich den teilnehmer, der während des zweiten teils des abends neben mir saß und in einer tour "nach hause fahren" forderte, am liebsten sofort an die hand genommen und mit ihm gegangen wäre...

edit: fast 3,5 stunden dauerte das spektakel.

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Zuletzt aktualisiert: 9. Apr, 14:03

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